Strafrechtliche und zivilrechtliche Gutachten bei Kindern und Jugendlichen

Dr. med. Manetsch Madleina
Leitende Ärztin der Jugendforensik sowie Mitglied der Klinikleitung in der Klinik für Forensik der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel

Die Schweizerische Strafprozessordnung sieht vor, dass das Gericht sachverständige Gutachter beiziehen muss, wenn ihm der für die Beantwortung einer Rechtsfrage notwendige Sachverstand fehlt. Dies betrifft in der Praxis drei Themenkreise:

1. Die Schuldfähigkeit: War ein Täter zum Tatzeitpunkt nicht oder nur eingeschränkt in der Lage, das Unrecht seines Handelns einzusehen oder sich entsprechend einer erhaltenen Einsicht zu verhalten, so mildert das Gericht die Strafe.
2. Die Rückfallgefahr: Diese ist massgeblich für mehrere Fragen der Notwendigkeit sowie der Verhältnismässigkeit von staatlichen Eingriffen in die persönliche Freiheit eines Täters.
3. Die Notwendigkeit der Anordnung einer therapeutischen oder sichernden (Verwahrung) Massnahme: Kann ein allfälliges hohes Rückfallrisiko durch Therapien substantiell reduziert werden
oder ist die dauernde, eventuell lebenslängliche Sicherungsverwahrung angezeigt?

Die Beantwortung dieser Fragen hat weitreichende Konsequenzen einerseits für die öffentliche Sicherheit und andererseits für den betroffenen Täter. Damit Gerichtsurteile rechtsstaatlichen Anforderungen genügen, müssen strafrechtliche Gutachten hohen Qualitätsstandards entsprechen.

Im Kurs werden auch an Hand von Beispielen die oben beschriebenen Themenkreise gelehrt, die für die Begutachtung notwendige Methodik vermittelt und es wird der aktuelle Stand sowie die
Entwicklung der Praxis hinsichtlich der Ausbildung und Zulassung auch psychologischer Sachverständiger dargestellt.

 

Dipl.-Psychologin Karin Banholzer
Universitäre Psychiatrische Kliniken UPK

In diesem Modul stehen Fragen rund um die zivilrechtliche Begutachtung im Mittelpunkt. Vermittelt werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und mögliche Aufgabenstellungen, psychologische Grundlagen, eine Einführung in die praktische Vorgehensweise und mögliche Interventionen. Im Mittelpunkt stehen die Vermittlung von Grundlagenwissen und der Einblick in die praktische Tätigkeit der Gutachtenerstellung.

Inhalte der Veranstaltung

  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • mögliche Fragestellungen an den Gutachter/In
  • methodisches und diagnostisches Vorgehen
  • Formen der Begutachtung (lösungsorientiert versus statusorientiert)
  • Interventionsmöglichkeiten und Regelung der elterlichen Sorge und der Betreuungsanteile
  • Umgang mit hochstrittigen Eltern
  • Kontakt und Kooperation mit den Beteiligten und anderen Professionen

Der Workshop ist aufgebaut auf Input-Referaten sowie Kleingruppenarbeit mit der aktiven Bearbeitung von Fallbeispielen.